Der Weblog der Piratenpartei im Berchtesgadener Land

mehr Geld für die, die arbeiten – es ist nicht nur Westerwelle auch verbrämt Finanzminister Schäuble (und wer nicht), die  Fürsorgeempfänger und Arbeitslose als Schmarotzer unseres Systemes fokussieren. Mit dem Argument, dass ganz wenige einen großen Anteil der Einkommensteuer bezahlen, wird der größere Beitrag des Teils der Bevölkerung abgekanzelt, der tatsächlich durch Mehrwertsteuer, Verbrauchssteuern und Sozialabgaben den allergrößten Teil zur Bewältigung unseres Staatsaufwandes beiträgt – ohne den keine Autobahn gebaut, keine Universität erhalten und kaum ein Opernhaus betrieben werden könnte.

Unabhängig davon, dass die Argumentationslinie von Westerwelle logisch ein Argument für Mindestlöhne ist, sollte sich mal jeder fragen, wer verdient eigentlich so viel wie er arbeitet? Sehen wir mal von hochbezahlten Positionen für aktive und abgewrackte im Bereich der öffentlichen Banken ab. Reden wir über uns. Und zwar nicht darüber, dass Ihr Verdienst im Verhältnis zu dem von Ackermann schon in Ordnung ist … sondern nominal Stunde für Stunde, – was könnten Sie z.B. heute  auf eine Rechnung schreiben und das mit einem entsprechenden Produktivitätsgewinn des Rechnungsempfängers rechtfertigen?

Ein Großteil unserer Beschäftigten (SIE?) und  ein Großteil unserer Arbeitszeit  ist mit Ritualen beschäftigt, die den Anschein einer Beschäftigung erwecken. Wie viele Projektmanager sind eigentlich bezahlte Touristen?  Nicht nur im Straßenbauamt treffen sich Tag für Tag Teams, die allesamt nichts zu tun haben.  Lohnarbeiter, Leiharbeiter sind derweil schon lange im ALG2 Bezug und bleiben da, nicht weil sie faul sind, sondern weil keine Arbeit da ist, die näher besehen so bezahlt wird, dass man bei 40 h/Woche ohne Unterstützung auskäme.  Da bleibt man dann nach den ersten Kontakten schon lieber arbeitslos und wer kann, organisiert sich ein wenig, – wird nicht überall organisiert?

Werden wir eigentlich nach dem Wert unserer Arbeit bezahlt? Nach 5 jähriger Beamtenzeit wird eine Rente von 1250 € garantiert, die Durchschnittsrente im Westen beträgt für gesetzlich versicherte 800 €.  Wurde vom Beamten, mit im Mittel 3 zusätzlich zu erwartenden Lebensjahren,  in  5 Jahren wirklich so viel mehr Wert erarbeitet als in den 30- 40 Jahren Beschäftigungszeit eines Arbeiters mit Durchschnittsrente?

nef hat nun einen Bericht (pdf) veröffentlicht, worin versucht wird, den Wert verschiedener Berufe für die Gesellschaft zu bestimmen. Tragen jene, die mehr verdienen auch mehr zum Wohl der Gesellschaft bei? In dieser Studie werden sechs Berufe verglichen: Drei Geringverdiener aus der Unterschicht: eine Krankenhaus-Reinigungskraft, ein Mitarbeiter im Wertstoffhof, und ein Mitarbeiter in der Kinderpflege. Drei Vielverdiener: ein Banker, ein Werbefachmann, ein Steuerberater. Vor allem Frauen sind schlecht oder gar nicht bezahlt, obwohl gerade sie es sind, die Familien und Gemeinschaften zusammen halten. Der Markt belohnt diese Arbeiten nicht, ihr Beitrag wird nur gering geschätzt oder übersehen. Während der Banker mit jeder verdienten Währungseinheit sieben vernichtet, trägt z.B. die Kinderbetreuung mit dem 7,5 bis neun-fachen des Verdienstes zum gesellschaftlichen Wert bei.  Wir müssen lernen, viele Mythen zu hinterfragen, die unsere Auffassung von Bezahlen und Wert betreffen.

Vermutlich bedarf es in den nächsten Jahren zu einem Politikwechsel noch eines größeren Anteils  Bevölkerung mit Hartz-Erfahrungen, also Menschen, die Mitte/Ende 50 in Arbeitslosigkeit eintreten, dann ohne Unterstützung in den folgenden Jahren  ihr Erspartes ausgeben und dann aktiv und „barrikadenfähig“ in die Grundsicherung eintreten.  Für einen weit größeren Teil der Bevölkerung als die meisten ahnen ist dies vorbedeutet. Davon sind also nichtsahnend bald auch viele betroffen, die jetzt klammheimlich oder offen über die Nichtstuer herziehen.

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Kommentare zu: "Leistung muss sich lohnen" (2)

  1. Hans-Jürgen Burckhardt schrieb:

    Die Diskussion über den gerechten Lohn ist so alt wie der Lohn selbst. Man sollte den Lohn auch unter dem Gesichtspunkt als Entgelt für angebotene Arbeit sehen. Auf einem freien Arbeitsmarkt würde sich dann ein Gleichgewichtspreis herausbilden, der nach Marktgesichtspunkten gerecht wäre. Darunter fiele die Millionenzahlung an den Fußballprofi, aber auch ein Stundellohn von 3 EUR für eine Kinderaufsicht. Vielfach haben wir aber keinen freien Arbeitsmarkt. Als Beispiel wurde der Beamte angesprochen. Dies führt zu einer generellen Unproduktivität, erhöht aber den Wohlstand – nicht nur beim Beamten selbst. Auch die Bezahlung der Manager unterliegt nicht den Marktgesichtspunkten. In den letzten Jahren hat sich deren Gehalt meilenweit vom Produktivitätswachstum entfernt und dementsprechend auch vom Lohn/Gehalt der normalen Beschäftigten.
    Die Lösung ligt in allen Fällen in der staatlichen Einflussnahme. Ein Grundexistenzminimum muss definiert werden, man kann es auch als Bürgergehalt bezeichnen. Die Zahlung orientiert sich am Wohlstandsertrag. Z.b. würde eine alleinerziehende Mutter von 3 Kindern ein relativ hohes Gehalt erzielen. Ebenso versteuert der Staat die Einnahmen auch hinsichtlich der Wohlstandserzielung. Z.B. Ein Rennfahrer hat einen Steuersatz von 95%, da er negative Wohlstandserzielung betreibt. Natürlich müsste man sich hierbei fundiert mit dem Wohlstandsbegriff auseinandersetzen. Die Diskussionsgrundlage ist vorhanden. Allerdings geht dies nur mit einem Politikwechsel. Mit Westerwelle und Co. ist dies nicht möglich

  2. Robert schrieb:

    Auch wenns nicht trendy ist:
    Beamte sind für den Statt die günstigsten Arbeiter!
    – Beamte dürfen nicht streiken
    – Beamte können wild rumversetzt werden
    – Beamte haben keine starke Gewerkschaft
    – Beamte können nicht mehr wechseln (Rentenjahre werden ja nicht angerechnet)
    – Beamte zahlen die Krankenkasse selber
    – Beamte versteuern ihre Pension noch
    – Beamte halten Lohnnebenkosten gering (Arbeitslosenversicherung fällt nicht an)
    – Beamte sind billig (keine Provisionen)
    – Beamte sind kalkulierbar (Gehalt streng nach Dienstalter)

    Im Ergebnis arbeiten in Bayern Beamte bereits 42 Stunden und bis 67 (Frauen kürzer) und verzichten schon mal auf diverse Zulagen.

    Mach das doch mal mit einem Angestellten und der verDi!

    Das ist halt der Nachteil der blinden privatisiererei.
    Oh, die Lokführer streiken! So ein Schaden für die Wirtschaft! Selber schuld. Sind ja jetzt Angestellte.
    Und die Telekom? Darf doch nicht streiken, schadet der Wirtschaft! Doch. Ist ja jetzt privat.
    Und die Post! Keine Briefe mehr? Was das schadet! Tja. Erst privatisieren und dann jammern?

    Und nicht zuletzt zeigt uns ein einfacher Vergleich der damaligen verbeamteten Post-Führungsebene (Gelbe Post und Telefon) mit den Gehältern der beiden Aufsichtsratsvorsitzenden von Post AG und Telekom AG wo wirklich Geld verschwendet wird.
    Wenige Oberpostdirektoren hatten damals die Gelegenheit, diverse Millionen an Steuern zu hinterziehen!

    So gesehen entspricht die Beamtenbesoldung den piratigen Transparenzwünschen optimal. Diese Tarife kann nämlich jeder nachlesen.
    Aber wo kann man nachlesen, was das Management von Bahn, Post oder Telekom verdient?

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