Der Weblog der Piratenpartei im Berchtesgadener Land

Beiträge mit Schlagwort ‘BayEUG’

Bayerische Schülerdaten werden gespeichert – nun wird alles gut

Der Freistaat benötigt angeblich die Schülerdaten für politische Entscheidungen, die Bildungsplanung, für die internationale «Bildungsberichterstattung» und für die Beantwortung von Landtagsanfragen, wie es in einem Papier des Kultusministeriums heißt. Erfasst werden: Name und Vornamen, der Tag der Geburt, der Geburtsort, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Geburtsland, das Jahr des Zuzugs nach Deutschland, die Religionszugehörigkeit (rk, ev, sonst), das Jahr der Ersteinschulung, erworbene Abschlüsse sowie Adressdaten, Informationen zur sonderpädagogischen Förderung und zu Teilleistungsstörungen, die ganztägige Betreuung und Unterbringung, die Verkehrssprache in der Familie, ein Gastschulverhältnis, übertrittsrelevante Daten zur Schullaufbahn (aktuell besuchte Schule, Schulpflicht, Feststellung zur Übertrittseignung in Bezug auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium, Vorbildung, Austrittsdatum, Zielschule), Daten zum aktuellen Unterricht (Jahrgangsstufe, Bildungsgang, Fremdsprachen, Berufsausbildung, Erreichen des Ziels der Jahrgangsstufe, Art der Wiederholung, Art des Vorrückens. Der Großteil der Schülerdaten werde «ausschließlich an der Schule gespeichert», so das Ministerium. Die sogenannten «Ergebnisstatistiken», die Auswertung der Resultate von Vergleichsarbeiten und zentralen Abschlussprüfungen der Schüler, soll unter anderem von einer neu einzurichtenden Statistikstelle ausgerechnet im Kultusministerium erledigt werden. Mit der rein statistischen Auswertung soll das Landesamt für Statistik beauftragt werden. Der Großteil der Schülerdaten werde «ausschließlich an der Schule gespeichert», so das Ministerium (soweit Nürnberer Nachrichten).

Eigentlich hätte man mit einem Widerstand der Liberalen gerechnet. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erklärt in der SZ, warum die bayerische FDP nach anfänglicher Ablehnung jetzt doch für eine Schülerdatenbank stimmt: Der ursprüngliche Entwurf wurde geändert, Daten, die in den Schulen sowieso gesammelt werden, auf Karteikarten und Zetteln, sollen jetzt systematisch (aber ohne ID?) erhoben werden. Nur wenige dürfen die Daten von den Schul-PCs (?) abrufen,  Abfragen müssen protokolliert werden (auf PCs?), an den Schulen soll es künftig die besten Datensicherheitssysteme geben. (Für Kopien von Arbeitsblättern der Schüler wird extra Geld eingesammelt). Wir wollen keinen zusätzlichen Datenwust, sondern wissen, wer besondere Förderung braucht. So können wir diskutieren, welche Strukturen und wie viele Lehrer wir einsetzten wollen. Eine direkte Ableitung von notwendigen Lehrerstellen aus Schülerzahlen ist eher müßig (Diskussion).

Laut Merkur-online sammelt Doreen Huppert ( elternbeirat@karlsgymnasium-pasing.de ), Elternbeirats Vorsitzende am Karlsgymnasium München-Pasing,  Unterschriftenlisten gegen die „amtliche Schuldatenerfassung“.  Allein gestern kamen 1000 dazu, „und es treffen stündlich mehr ein“.  Die Abstimmung heute im Landtag wurde namentlich durchgeführt, Ergebnnis 91:64 – im Detail: http://www.bayern.landtag.de/lisp/dokanz?ID=12865 .

Der Bildungsweg jedes Schülers sollte also künftig 30 Jahre lang lückenlos verfolgbar sein. Nachdem die Ministerien es nicht schaffen, aus den Geburtenzahlen auf Kindergartenbedarf und Lehrerbedarf hochzurechnen, werden wir hieraus eine Zunahme der Förderungen und folglich mehr Abiturienten in Bayern erwarten dürfen. Wohl kaum! Man will vielleicht die besondere Problematik Bayerns ausrechnen und damit den Rückstand rechtfertigen.

Es wird ein Schuss in den Ofen. Wie bereits jetzt die Fragebögen so ausgefüllt werden, dass „man“ wohl zufrieden ist, so werden auch hier Daten gerade mal so eingegeben (oder jede Besonderheit lieber mal weggelassen), dass der Statistik eben Genüge getan wird. Wer soll denn all die Details regelmäßig erfassen, den Rücklauf von Fragebögen an „unerreichbare“ (aber wohl problematische) Eltern nachhaken, Hausbesuche machen – jedes unerwünschte Ergebnis einer Analyse wird mit der mangelnden Zuverlässigkeit der eingegangenen Daten abgewiesen werden können – eine alte Kritik gegenüber Totalerhebungen als Entscheidungsbasis. Mit diesem Vorhaben wird das Lehrpersonal noch weiter unterrichtsfremd beschäftigt. Sparen hätte man eigentlich gleich hier anfangen können.

Advertisements

Schlagwörter-Wolke